Mittwoch, 19. Juni 2013

20.6.13 US-Zentralbank FED will möglicherweise den Ankauf von Anleihen einstellen


Dass die US-Notenbank mit dem Stopp von Anleihekäufen dem zusätzlichen Druck von Dollarscheinen ein Ende bereiten will, ist unwahrscheinlich, könnte nur ein verbaler Test für die Aktienmärkte sein. Damit die Kurse nicht ins Uferlose schießen, versuchen sich Notenbanken gerne mit einem psychologischen Wording-Test, um überschießende Kurse auszubremsen. Meist gelingt dies nur vorübergehend. Der Raubeinkapitalismus kennt viele Täuschungsmanöver. Tatsache ist, dass sich die Federal Reserve (FED) einen Stopp nicht ohne weiteres leisten kann, weil der US-Haushalt derzeit nur noch mit der Notenbank finanziert wird. Die Steuereinnahmen der USA sollen gerade ausreichen, um 50 Prozent der staatlichen Ausgaben abzudecken. Würden nun die US-Zinsen aufgrund einer Einstellung der Anleiheaufkäufe steigen, müsste die Notendruckmaschinerie einen weiteren Gang zulegen, um die zusätzlichen Zinslasten im US-Staatsschuldenhaushalt zu schultern. Die Geldentwertungspolitik würde eine neue Dimension erklimmen. Oder steigt der Notenbankchef auf andere Instrumente der wundersamen Geldvermehrung um? Egal, jeder Renditeanstieg im Geleitzug würde die Zinsen in den USA und weltweit anheben. Fatal auch für die überschuldeten Zitronenländer Südeuropas. Der EZB-Chef Draghi sprach denn kürzlich auch noch von einer weiteren Zinssenkung. Ich denke, FED-Chef Bernanke will die Reaktion der Aktienmärkte testen. Der US-Arbeitsmarkt jedenfalls gibt noch kein grünes Licht für steigende Zinsen. Und auch die US-Konjunktur läuft noch nicht wirklich rund. Wolfgang Werkmeister, Buchautor, Eschborn